Was den Master of Public Policy auszeichnet, ist die Interdisziplinarität und die große Leidenschaft und der Enthusiasmus aller Beteiligten.
It's so practical and the project is such a big part of the course.
Ich sehe zum ersten Mal, dass der Studierende im Mittelpunkt steht.
Ich hoffe, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, die Krisen dieser Welt zu lösen.
Welche Vision verbinden Sie mit Ihrem Engagement für den Master of Public Policy an der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance?
Gesine Schwan: Ich wünsche mir, dass mit dem Master of Public Policy, aber auch mit den Forschungsaktivitäten und der politischen Plattform der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance insgesamt demokratische Politik besser und effektiver gestaltet werden kann.
Der Master of Public Policy ist konzentriert auf politische Projekte, und dieses Projektlernen erscheint mir ganz besonders wichtig, fruchtbar, aber auch schwierig, insbesondere hinsichtlich des Lehr- und Betreuungsangebotes von Seiten der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance. Am schönsten fände ich es, wenn wir in jedem Jahrgang Gruppen von etwa vier Studierenden zusammenstellen könnten, die ein gemeinsames Projekt bearbeiten und aus verschiedenen Disziplinen, aber auch aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen kommen, also aus der Politik, dem Privatsektor und der organisierten Zivilgesellschaft.
Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, sich an der Konzeption der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance und des Master of Public Policy zu beteiligen? Welche eigenen Gestaltungsimpulse liegen Ihnen dabei besonders am Herzen?
Gesine Schwan: Den Ausschlag für mein Engagement hat gegeben, dass ich sowohl die didaktische Konzeption als auch die demokratiepolitischen Ziele dieses ganzen Unternehmens bejahe. Es ist mir sehr deutlich geworden, dass Politik wie sie gegenwärtig gestaltet und umgesetzt wird, bei weitem nicht der Komplexität der politischen Herausforderungen entspricht, aber auch nicht den Möglichkeiten, die wir etwa hinsichtlich von Forschungsergebnissen und Einsichten bereits haben.
Mir liegt dabei natürlich besonders am Herzen, in die Reflexion und Bearbeitung unserer vielfältigen Probleme als Gestaltungsimpuls und -idee meine politischen, auch praktisch-politischen, ebenso wie meine theoretisch-politischen Erfahrungen einzubringen. Es kann ja bei der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance nicht einfach um irgendein Projekt gehen, sondern eben um politische Projekte - und da muss man sich darüber Gedanken machen, was das Politische eines Projektes ausmacht.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht diesen Master of Public Policy in besonderer Weise aus?
Gesine Schwan: Der Master zeichnet sich aus durch die Konzentration auf das politische Projekt, durch die Interdisziplinarität und die Mehrheit der Aspekte und Erfahrungen, aus denen heraus das Projekt angegangen wird. Es geht also um ein Team-Lernen und ein Team-Lehren, und dem geht das Grundverständnis von Good Governance voraus, das überhaupt die Schule prägt, nämlich die drei Akteure - Politik, organisierte Zivilgesellschaft und Privatsektor - zusammenzubringen.
Der Master of Public Policy zielt darauf, Studierende zu befähigen, Politikansätze zu entwickeln, umzusetzen und zu kommunizieren. Wie verstehen Sie den Begriff des Politischen bei der Konzeption und Gestaltung des Studiums? Worin liegt dabei für Sie die besondere Innovationskraft?
Gesine Schwan: Es ist sehr wichtig, das Politische eines politischen Projektes sehr früh herauszuarbeiten und sich darüber Gedanken zu machen. Es gibt natürlich nicht nur eine Definition dessen, was politisch ist. Es gibt sogar ganz konträre etwa von Carl Schmitts Definition, dass das Politische im Freund-Feind-Verhältnis liegt, bis zu der Tradition von Politikverständnissen wie sie bei Aristoteles anfangen und sich etwa bei Dolf Sternberger im 20. Jahrhundert prägnant finden, nach denen Politik ein Geschäft der Vereinbarung ist. Ich selbst definiere Politik als die Auseinandersetzung und Verständigung über Fragen, deren Beantwortung strittig ist und zugleich auf diejenigen, die diese Frage behandeln, bei dem eine Entscheidung ohne weitere Auseinandersetzung ausgeführt wird, zurückwirkt, sie also tangiert. Damit unterscheidet sich das Politische etwa vom Technischen, aber auch vom rein Privaten. Hier geht es möglicherweise um Streitigkeiten, die aber nicht in einem größeren sozialen Kontext mit Gemeinwohlbegriffen behandelt werden müssen. Das ist natürlich jetzt nur eine sehr knappe Definition. Wichtig aber ist, dass es eine Gruppe von Menschen betrifft, dass das Ziel des Handels umstritten sein muss, dass die Einigung Rückwirkungen auf die Handelnden hat.
Darüber hinaus ist natürlich Politik in einer Demokratie etwas anderes als in einer Diktatur, das muss immer weiter ausdifferenziert werden. Die besondere Innovationskraft des Studiengangs liegt in meiner Sicht darin, dass die Studierenden sich erstens auf die praktischen Projekte konzentrieren müssen und zweitens das, was sie lernen, immer wieder abgleichen sollen mit dem, was sie praktisch vorhaben, so dass dadurch ein sehr viel intensiverer, weil sehr viel differenzierterer Lerneffekt stattfindet. Außerdem liegt eine besondere Herausforderung und Qualität in der Zusammenarbeit von Personen, die aus unterschiedlichen Erfahrungs- und Tätigkeitsbereichen kommen.
Was bedeutet das für die Projekte, die die Studierenden in das Studium mitbringen und bearbeiten? Was ist in Ihren Augen ein geeignetes politisches Projekt, das im Rahmen des Studiums bearbeitet und begleitet wird?
Gesine Schwan: Alle Projekte, die den Begriff des Politischen rechtfertigen und die klein genug und begrenzt genug sind, so dass sie auch wirklich während des Studiums behandelt werden können, sind in meiner Sicht geeignet. Es gibt auch kein politisches Projekt, das von sich aus nur eindimensional wäre.
Was ist der spezifische Nutzen, den die Studierenden – und ggf. auch ihre Arbeitgeber /die Organisationen, für die sie tätig sind – aus der Teilnahme am Master of Public Policy ziehen?
Gesine Schwan: Der spezifische Nutzen für Studierende, aber auch für Arbeitgeber und Organisationen, in denen Studierende jetzt oder später tätig sind, liegt darin, dass sie als Verantwortungs- und Entscheidungsträger sehr viel zupackender, sehr viel genauer politische Projekte durchführen können und damit ein Negativmerkmal von Politik überwinden, dass es sich dabei um eine diffuse und im Ziel nicht klare, im Übrigen sehr zeitraubende Angelegenheit handelt, die letztlich nur die Interessen der Teilnehmer widerspiegelt.
Welches Lernumfeld erwartet die Studierenden an der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance? Worin bestehen die wesentlichen Herausforderungen im Rahmen des Studiums?
Gesine Schwan: Das Lernumfeld an der HUMBOLDT-VIADRINA School of Governance ist ausgesprochen auf Offenheit, Experimentierfreude, Praxisbezug, Vielseitigkeit, Dialogbereitschaft orientiert. Im Übrigen liegt die Schule räumlich mitten im Berliner Politikbetrieb, und es wird uns sehr daran liegen, verschiedene Wissenschaften, verschiedene Praktiker, verschiedene politische Aspekte und Ausrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Worauf bereitet der Master of Public Policy die Studierenden vor?
Gesine Schwan: Wenn der Master of Public Policy erfolgreich verläuft, dann werden die Studierenden am Ende dieses Studiums mit erheblicher Reflexionsfähigkeit, Praxiserfahrung und auch mit Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen politische Projekte verwirklichen können.
Mit welcher Motivation sollte jemand idealerweise den Master of Public Policy beginnen? Welchen beruflichen Hintergrund bzw. welchen Arbeitskontext weisen Studierende im Idealfall auf?
Gesine Schwan: Vor allem mit der Motivation, gute Politik zu machen. Mir liegt daran, dass es sich hier nicht in erster Linie um ein Studium handelt, dass Karriereaussichten verbessern soll. Das ist natürlich auch immer gut und wichtig und auch kein zu unterschätzendes Motiv, aber im Wesentlichen geht es um das Interesse an einer engagierten, auch normativ durchdachten Politik, die bereit ist, Schwierigkeiten zu überwinden und neue Wege zu gehen. Der berufliche Hintergrund oder der Arbeitskontext der Studierenden scheint mir nicht von vorrangiger Bedeutung zu sein. Wann immer man im Beruf Erfahrungen gesammelt hat, sowohl in der Sache, als auch im Umgang mit Menschen, kann man solche Erfahrungen auf ein Studium des Masters of Public Policy anwenden.
Woran werden die Studierenden merken, dass hinter der School eine Kooperation zweier Universitäten steht?
Gesine Schwan: Schon der Name der HUMDOLDT-VIADRINA School of Governance zeigt, dass zwei Universitäten diese Schule gegründet haben. Ein großer Teil der Lehrenden wird auch aus den beiden Universitäten kommen und ich denke, daran wird sich erkennen lassen, wer am Ursprung dieses Studiums liegt.